Manche denken zuviel nach

Das Mädchen stand jeden Tag am Bahnhof. Immer um dieselbe Uhrzeit. Eigentlich war sie glücklich, sie hatte Freunde, hatte eine liebe Familie und beliebt war sie auch. Trotzdem sehnte sie sich nach etwas im Leben, doch sie wusste nicht nach was. Ihr war klar, dass sie eigentlich alles hatte, auch an materiellen Dingen fehlte es ihr nicht. Sie war klug, sie dachte sehr viel über ihr Leben nach. Je älter sie wurde, desto mehr dachte sie nach. Irgendwo während ihrer Gedankengänge hat sie diese unerklärliche Leere gefunden. Dieses Gefühl ließ sie einfach nicht los, sie steigerte sich in etwas rein. Tagtäglich dachte sie nun darüber nach. Nach einer Zeit wurde sie immer trauriger und ihre Gedanken kreisten nur noch um dieses Gefühl. Das Mädchen war sehr sensible und dies wurde ihr in diesem Fall zum Verhängnis. Ihr Leben empfand sie zunehmend als unnötig. Zum Nachdenken setzte sie sich nicht mehr in den Park, sondern setzte sich auf eine Bank am Bahnhof. Das ging einige Monate so. Als sie dort saß überkam sie eine plötzliche Kälte, ihre Gedanken zermalmten sie, sie zerstörten sie.  Stimmen in ihrem Kopf flüsterten ihr ein: „beende es, es hat keinen Wert mehr“. Diese Stimmen dröhnten in ihrem Kopf und wurden immer lauter, sie musste anfangen zu weinen, alles wurde ihr zu viel, aber sie wusste, dass sie das eigentlich gar nicht wirklich wollte, doch sie verfiel den Gedanken. Perplex stand sie auf, ihr Körper doch so reglos, langsam bewegte sie sich in Nähe des Gleises. Kurz davor blieb sie stehen. Wollte sie das? Wollte das Mädchen, das davor immer alles so bedacht hatte wirklich diesen gefühlsbestimmten Schritt wagen? Sollte so ihr Ende aussehen? Wollte sie das all ihren Freunden und ihrer Familie antun? Die davon nichts ahnend zuhause sitzt und denkt ihren Mädchen geht es gut? Wollte sie das alles wirklich?…eigentlich war sie bereit zu gehen, es kam ein Zug und sie setzte zum Sprung an, doch dann kam ihr wie ein Blitz dieser eine Gedanke, an dem sie schon so lange nicht mehr Gedacht hat: Vor vielen Jahren sprach sie mit ihrer Lehrerin über Suizid, sie hatte anscheinend geahnt, dass es diese Situation auch in dem Leben des so glücklich scheinendem Mädchen geben würde. Sie kannte das Mädchen sehr, sehr lange, sie vertrauten einander und das Mädchen hatte ihr immer alles erzählt. Nun so kam es auch zu diesem Gespräch damals. Das Mädchen, damals glücklicher als alle anderen, hat immer Liebe erfahren und gefehlt hat es ihr an nichts. Sie verstand nicht wie ein Mensch, dem alle Türen offen standen so etwas tun könne, jeder hat doch sein Schicksal in der Hand, oder nicht? Ihre Lehrerin wusste, dass dies nur teilweise zutrifft, doch sie wollte ihre Illusionen nicht zerstören. Jeder war seines Glückes Schmied, da stimmte sie ihr schon zu, doch spielt da manchmal das Leben anders. Manchmal hat es eben einfach andere Dinge mit uns vor, manchmal muss man erst einige Hindernisse meistern, um ans Ziel zu kommen. Bei diesen Hindernissen bleiben einige stehen, weil sie sich zu schwach fühlen. Jeder empfindet diese Schwäche anders, manchmal ist es wegen einer Kleinigkeit und manchmal kann auch ein Verlust einer geliebten Person die Ursache gewesen sein, ganz egal, es kommt auf die Empfindung des Menschens an, nicht jeder empfindet eine Kleinigkeit als eine Kleinigkeit. Und wenn ein Mensch keinen Ausweg mehr sieht und sich einfach zu schwach fühlt machen wir unverständliche Dinge, dazu gehört auch Selbstmord. Ja, es ist ein Ausweg, aber keine Lösung. Bleib darüber im Klaren, dass es immer Menschen gibt, die erst danach verstehen, was ein toller Mensch sie verlassen hat. Doch diese Erkenntnis kommt manchen Menschen zu spät.                                                                                                                                                   Dieses Gespräch war so lang her, sie hatte es schon fast vergessen  und doch rettete es ihr das Leben. Nun steht sie dort wie angewurzelt. Sie fühlte sich fertig und so müde, sie schloss die Augen und fiel zu Boden. Einer am Bahnhof hatte sie wohl beobachtet und rief einen Arzt. Sie hatte einige Tage nichts gegessen und Schlaf hat sie auch nicht sehr viel bekommen in den letzten Wochen, deswegen fiel sie in Ohnmacht. Der Notarzt brachte sie ins Krankenhaus, wo sie einige Stunden Schlaf nachholte und auch ein paar Happen zu sich nahm. Sie war ziemlich erstaunt, sie dachte sie hatte es wirklich getan, doch zum Glück erinnerte sie sich an dieses Gespräch, das ihr in dem Moment soviel Lebenskraft wiedergab. Sie war ihrer Lehrerin so dankbar. Nach ein paar Stunden des Grübelns rief sie sie an und dankte ihr von Herzen. Außerdem sagte sie, sie solle so bleiben wie sie ist und weiterhin solche Gespräche versuchen zu führen, auch wenn sie da bei manchen Schülern auf Abneigung stößt, könnte es sein, dass es doch noch das ein oder andere Kind in der Zukunft das Leben retten wird oder es sich zumindest an ihre Worte erinnern und daraus neue Kraft schöpfen.

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